Mo, 15.03.2010

„Deutschland ist Favorit, ganz klar“

Australiens Nationaltrainer Pim Verbeek über die WM und abgeschiedenes Wohnen

Pim Verbeek ist einer dieser Fußballtrainer, die in ihrer Laufbahn weit gereist sind. Bei der WM 2002 und 2006 betreute der 53-Jährige Südkorea als Co-Trainer. Seine Biografie weist aber auch Stationen in Japan, den Vereinigten Arabischen und den Niederländischen Antillen auf. Seit Ende des Jahres 2007 trainiert der Niederländer nun die Nationalmannschaft von Australien, dem ersten Gruppengegner Deutschlands bei der WM 2010. Im Interview spricht er über die Favoritenrolle der Deutschen, Verletzungspech und Genügsamkeit seiner Mannschaft bei der Quartiersuche in Südafrika.

 

??? Herr Verbeek, es war nicht ganz einfach für alle Teams, ein geeignetes Quartier in Südafrika zu finden, das der Engländer in Rustenburg ist noch mitten im Bau. Hatten Sie ähnliche Probleme?

 

Pim Verbeeek: Nein, das ist längst fertig. Wir werden 20 Kilometer außerhalb von Johannesburg wohnen, da ist nicht viel drum herum. Mit den Australiern geht das, die suchen keinen Trubel. Da ist jede Mannschaft unterschiedlich, die Niederländer haben sich zum Beispiel in Sandton (Johannesburger Wirtschaftszentrum, d.Red.) einquartiert, die brauchen ein wenig Hektik und leben eigentlich bei jedem Turnier in der Stadt. Wir werden unsere Ruhe haben, und das ist gut so.

 

??? Wen erachten Sie als Favoriten in der Gruppe?

 

Verbeek: Das ist Deutschland, ganz klar. Dafür braucht man sich nur die Ergebnisse bei den letzten großen Ereignissen anschauen, Dritter bei der WM und Zweiter bei der EM. Sie sind besonders bei solchen Turnieren stark, mit Teamgeist und starken Einzelspielern. Ich denke, dass sie die Gruppe gewinnen werden und die drei anderen Teams sich um Platz zwei streiten werden.

 

??? Können Sie sich gegen Serbien und Ghana durchsetzen?

 

Verbeek: Das hoffen wir natürlich, wir wollen uns übrigens auch gegen Deutschland durchsetzen, ich sage lediglich, dass sie der Favorit sind. Ghana habe ich beim Afrika-Cup genau beobachtet. Sie spielen einen sehr dynamischen Fußball und sind ohne Top-Stars wie Michael Essien ins Finale gekommen – eine herausragende Leistung, natürlich wird das eine schwere Aufgabe für uns. Zumal sie unheimlich viele Talente haben, das hat die letzte U20-WM gezeigt, als sie Weltmeister wurden. Auch Serbien hat eine tolle Qualifikation gespielt, auch wenn ich diese Mannschaft noch nicht so gut einschätzen kann wie Deutschland und Ghana. Aber wir wollen und könen die Vorrunde überstehen, das ist ganz klar.

 

??? Woran liegt es, dass Australiens Fußball derart im Aufschwung ist?

 

Verbeek: Australien hat sich 2006 erstmals für eine WM qualifiziert, und der Stamm der Spieler ist stabil geblieben. Wir verbessern uns ständig und der Zusammenhalt im Team ist außergewöhnlich gut. Das Land ist einfach sportverrückt, unsere Heimspiele sind immer ausverkauft. Ganz Australien steht bei unseren Spielen hinter uns, und das hilft sehr. Der Verband arbeitet dazu sehr professionell, was meine Arbeit erleichtert.

 

??? Wie zufrieden sind Sie mit der Form ihrer Mannschaft gut drei Monate vor der WM?

 

Verbeek: Wir haben im Moment außerordentliches Verletzungspech, mir fehlen gleich mehrere wichtige Spieler, der jetzige Kader unterscheidet sich dementsprechend stark von dem bei der WM. Die Beobachter des DFB brauchen also zu unseren nächsten Spielen gar nicht erst anzureisen (lacht). Aber es ist besser, dieses Pech jetzt zu haben als in drei Monaten, bei der WM.

 

??? Und was trauen sie Ihrem Heimatland zu, den Niederlanden?

 

Verbeek: Sie haben diesmal eine fantastische Truppe zusammen. Auf dem Platz war das eigentlich immer so, diesmal aber gilt das auch außerhalb des Platzes. Vor allem der Sturm ist herausragend, ich traue auch Ruud van Nistelrooy noch den Sprung zu. Sie können ein Wörtchen um den Titel mitsprechen.

 


Pim Verbeek