"Ski wird der neue Hype in Ghana“
Ski-Exot Kwame Nkrumah-Acheampong will eine Abfahrtspiste in Afrika bauen

Kwame Nkrumah-Acheampong
Die eigene Karriere ist beinahe beendet, ihr war keine Goldmedaille vergönnt. Vor knapp einem Jahr stürzte sich Kwame Nkrumah-Acheampong in Vancouver als erster Ghanaer olympische Hänge. Ein wenig bedächtiger zwar als der Slalom-Sieger, genauer gesagt um 43 Sekunden langsamer. Aber egal: angekommen ist er – und Volksheld in Ghana sowieso. Dort soll, so der Wille vor seinem letzten Rennen bei der WM in Garmisch Partenkirchen im Februar, Skifahren „the next big thing“ werden. Eine Ski-Piste muss auf der Suche nach dem ersten afrikanischen Weltklasse-Abfahrer her, erklärt der 35-Jährige im Interview.
??? Hand auf Herz, wie viele Ghanaer kennen Sie, die Skifahren können?
Nkrumah-Acheampong: Es gibt schon ein paar. Nach meiner Olympiateilnahme habe ich Dutzende E-Mails bekommen, einige haben Skivideos von sich mitgeschickt. Und ich kenne einen Triathleten, der sich zum Ski-Langläufer umschulen lassen will. Und einen Roller Blader, der ist erst 21 und hat überragendes Talent. Er will ebenfalls wechseln. Dazu kommt noch ein guter Snowboarder, sie sind nach meinem Rücktritt erst einmal die Zukunft des ghanaischen Wintersports.
??? Sie suchen derzeit nach Investoren für eine Skipiste in Mamfe, einer Stadt im gebirgigen Osten Ghanas. Gibt es denn genug Nachfrage?
Nkrumah-Acheampong: Natürlich. Es gibt in Ghana viele, die gerne Skifahren würden. Von Accra dauert es nur eine halbe Stunde mit dem Auto. Dort gibt es genug Menschen, die sich den Sport leisten können. Skifahren wird the next big thing, der nächste große Hype nach Fußball.
??? Und wie läuft die Suche nach Sonsoren?
Nkrumah-Acheampong: Gut, sie hat aber gerade erst begonnen. Ich habe die Unterstützung der Regierung und werde deshalb direkt in die Vorstandbüros durchgewunken. Und wir hoffen, dass viele Fans in aller Welt helfen werden. Man kann uns auf www.ghanaskiteam.com unterstützen. Wenn nur 8500 Fans jeweils 30 Pfund (36 Euro) spenden, dann schaffen wir es. Und jeder wird auf einer Ehrentafel verewigt, die dort bis in alle Ewigkeit stehen wird. Wer spendet geht in die Geschichte ein.
??? Wie viele waren es denn bisher?
Nkrumah-Acheampong: 20. Aber wie gesagt, wir haben gerade erst angefangen. Für uns sind schon 100 zum jetzigen Stand ein Grund zum Feiern. Und gerade haben wir die Baupläne Vorstandsvorsitzenden in Accra bei einem Abendessen präsentiert. Die waren ernsthaft interessiert.
??? Soll es eine Halle mit Kunstschnee werden?
Nkrumah-Acheampong: Das haben wir kurz überlegt, in einer solchen Halle habe ich schließlich selbst in England das Skifahren gelernt. Aber das wäre dann doch zu teuer, das Runterkühlen würde Unmengen an Strom verbrauchen. Und wir haben in Ghana ziemlich viele Stromausfälle. Wir planen jetzt eine 150 bis 190 Meter lange Piste, die aus einem trockenen Kunstbelag besteht. Das fühlt sich beim Fahren nicht ganz so griffig an wie Schnee, simuliert ihn aber ganz gut. Für die sozio-ökonomische Entwicklung der Region wäre es jedenfalls großartig.
??? So mancher wird Sie für verrückt erklärt haben. Wie sind sie überhaupt auf die Idee gekommen?
Nkrumah-Acheampong: Die Weltmeisterschaft in Garmisch-Partenkirchen im Februar wird mein letztes Rennen sein. Ich will einfach nicht, dass es dann vor bei ist mit dem Skisport in Ghana. Ich mag Skirennen und will junge Sportler aus meinem Land sehen, die Pisten herunterrasen. Und wir haben viel Talent und Gleichgewichtssinn. Ich stand mit 28 Jahren zum ersten Mal auf Skiern. Wenn diese Jungs mit zehn, elf Jahren anfangen, dann können sie ganz nach oben kommen. Nicht in ein oder zwei Jahren. Aber vielleicht in zehn Jahren.